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Leben und Gesellschaft - Carsharing Auto nach Bedarf

Ein Auto fahren, aber es nicht besitzen müssen. Es nur dann benutzen, wenn man es wirklich braucht und sonst keine Kosten haben. Klingt verlockend? Lynn Baumgarten erklärt wie Carsharing funktioniert.

Ein Auto nach Bedarf per App buchen – das ist das Prinzip von Carsharing.(Quelle:istock/Tero Vesalainen)

Es ist Samstagvormittag und Lena steigt ins Auto ein. Doch nicht in ihr eigenes, denn sie teilt es mit anderen. Die junge Studentin kann sich kein eigenes Auto leisten. Doch manchmal ist es eben praktisch. So geht es vielen Studierenden und Gelegenheitsfahrern. Wer würde manchmal nicht gerne einfach in ein Auto steigen und losfahren?

Mittlerweile gibt es mehr als 165 Carsharing-Anbieter in Großstädten wie Berlin, Düsseldorf, und Hamburg. In Braunschweig ist es Studierenden sogar möglich, Carsharing zu testen. Für drei Monate erhalten Studierende den besten Tarif nur gegen eine niedrige Nutzungsgebühr. Stellplätze gibt es in Braunschweig rund um die Technische Universität, den Technologiepark und auch in der Innenstadt. Anders als bei einer Autovermietung bietet Carsharing einen 24-Stunden-Service an, der die ganze Woche verfügbar ist. Stornierungskosten können ebenfalls nicht entstehen und der lästige Papierkram entfällt. Auch tanken oder das Laden von Elektrofahrzeugen wird von einem Service-Mitarbeiter gemacht. Die Kosten für den Sprit sind im Mietpreis inklusive und das Auto kann stressfrei abgestellt werden. Bereits in der Probezeit kann Carsharing genutzt werden, vorausgesetzt man ist 18 Jahre alt. Manche Anbieter fordern jedoch den Führerscheinbesitz von einem Jahr oder bieten Carsharing erst ab einem Alter von 21 oder 25 an.

Wie funktioniert Carsharing?

Das Fahrzeug wird über ein spezielles Buchungssystem vom Kunden aktiviert und somit reserviert. Der Bordcomputer ist über das mobile Internet mit dem Buchungssystem verbunden und öffnet die Zentralverriegelung nur für den Kunden, der das Fahrzeug reserviert hat. Trifft der Kunde an dem gebuchten Fahrzeug ein, muss er sich über eine App oder RFID (radio-frequency identification)-Kundenkarte anmelden und das Auto wird geöffnet. Der Bordcomputer erfasst selbstständig die gefahrenen Kilometer und die Nutzungszeit pro Fahrt. Letztlich überträgt er die erfassten Daten an das Abrechnungssystem und dem Kunden wird eine Rechnung ausgestellt.

20 Jahre nach dem ersten stationsbasierten Angebot wurde das Free-Floating angeboten. Dabei wird das Fahrzeug nicht an eine bestimmte Station zurückgebracht, sondern kann an verschiedenen Carsharing-Parkplätzen abgestellt werden. Dieses System ermöglicht sogenannte One-Way-Fahrten und wird meist für spontane innerstädtische Kurzfahrten genutzt. Der Vorteil daran: Kunden müssen keine Buchungszeiten festlegen, sondern können das Auto bis zu 20 Minuten im Voraus reservieren. Stationsbasiertes Carsharing hingegen wird meist für längere Strecken genutzt. Mittlerweile gibt es aber auch ein kombiniertes System, bei dem sich der Preis an den niedrigeren Preisen der stationsbasierten Version orientiert.

Vorteile für Gelegenheitsfahrer

Zu den größten Free-Floating-Anbietern zählen heute Car2go, Eigentum der Daimler-AG, und DriveNow, Angebot des Automobilherstellers BMW. Beide Unternehmen bieten heute mehr als 7.000 Fahrzeuge in sieben deutschen Städten an. 2019 soll es eine Carsharing-Fusion der beiden Mobilitätsdienste geben, um schneller zu wachsen und sich Kosten zu teilen. Vor allem aber wollen sich die beiden Firmen Marktanteile sichern, um der internationalen Konkurrenz standzuhalten. Für Nutzer stehen dann deutlich mehr Fahrzeuge zur Verfügung und es erleichtert das Finden eines freien Fahrzeugs. Neben großen Anbietern wie Car2go und DriveNow gibt es aber auch kleinere Anbieter, die ihr Angebot regional halten.

Besonders für Wenig- und Gelegenheitsfahrer bietet es sich an, Carsharing zu nutzen. Dadurch ist es möglich, dass Leute wie Lena ihr Mobilitätsverhalten und den Alltag freier und flexibler gestalten können. Immer mehr junge Leute nutzen dieses Angebot und auch für Studierende ist es eine gute und günstigere Alternative zum eigenen Auto. Es werden hohe Fixkosten gespart und nur die tatsächliche Nutzung muss bezahlt werden. Es entfallen Anschaffungs- und Fixkosten sowie Wartungs- und Reparaturkosten. Eine monatliche Gebühr entfällt bei den Anbietern ebenfalls.

Vielen Studierenden geht es wie Lena. Durch Carsharing können sie sich Kosten sparen, die mit einem eigenen Auto anfallen würden und haben jederzeit die Möglichkeit, das Angebot zu nutzen. Und das nur dann, wenn sie es auch wirklich brauchen.